Einstieg

Seit dem ich 2012 meinen ersten Ultra den Swiss Alpine Marathon K78 absolvierte, hörte und las ich viel positives über den «legendären» Lauf UTMB. Das ich eines Tages am Start dieses Laufes stehen werde, konnte ich mir in der Anfangsezeit meiner Ultra-Erfahrungen noch gar nicht vorstellen. Fleissig sammelte ich in den folgenden Jahren Erfahrungen und habe so einige schwierige wie auch unvergesslich tolle Erlebnisse auf den Trails erfahren dürfen.

Nach dem Einstieg mit dem «K78» folgten:
– The Wayve – 111 km
– Les Défis du Jubilé 71km (3x)
– Eiger Ultra Trail 101 km (5x)
– Swiss Alpine Marathon K78 (2x)
– Swiss Irontrail T141
– DNF Sardona Ultra 82k
– Bielersee XXL 100 Meilen
– Zugspitz Ultratrail
– Zermatt Ultra Marathon
– Trail Verbier St. Bernard - X-Alpine
– Pitztal Alpine Glacier Trail P100 (4x)
– Swiss Irontrail T201 (2x)
– Marathon des Sables
– Matterhorn Ultraks K46
– Wörthersee Trail-Maniak 124 km
– Trail des Roches 55 km

In den 26 Teilnahmen hatte ich ein DNF am Sardona Ultra 82k. Der Wettkampf fand zu kurz nach dem Swiss Irontrail T141 statt und ich musste unterwegs feststellen, dass mein Körper sich noch nicht ausreichend erholte hatte. So gab ich in der Hälfte dieses Wettkampfs aus Vernunft heraus meine Startnummer ab. Was hat das nun mit meinen Eindrücken am UTMB zu tun? Aus meiner persönlichen Sicht heraus sehr viel. In den unzähligen positiven Artikeln in diversen Laufmagazinen und auch aufgrund des Qualifikationsverfahrens für diesen Lauf, schien es der Lauf der Läufe zu sein. Das Qualifikationsverfahren hatte mich schon immer gestört, da ich mir einerseits nicht vorstellen konnte, dass dieser Lauf strenger, härter und anspruchsvoller als alle Läufe zugleich sein soll und anderseits es Läufe gibt wo das Qualifikationspunkte sammeln so einfach ist aufgrund der grosszügigen Zeitfenster. Somit stand für mich eine Teilnahme eigenlich nie im Vordergrund.

UTMB Höhepunkt 2017?

Der Zufall wollte es, dass ich im Dezember 2016 bei einer Verlosung, einen Gratis-Startplatz für den UTMB gewonnen hatte. Ohne zu zögern, nahm ich mit grosser Dankbarkeit diesen tollen Preis an. Was gibt es Besseres, als sich selber vor Ort ein Bild des Laufs der Läufe zu machen, welcher mit der Byline «den Lauf muss man gelaufen sein» erwähnt wird. Da ich am Wochenende vor dem UTMB bereits in Zermatt am Ultraks K46 gemeldet war, überlegte ich recht lange ob ich das Rennen in Zermatt auf eine kürzere Distanz legen soll. Eigentlich sprach alles dafür dies zu machen, jedoch sind wir Ultras alle etwas verrückt und zudem war es eine gute Gelegenheit einen Abschlusstest für mein Läuferknie zu machen. Meine Laufsaison war bereits recht lange und so kam es zu einer Überlastung meines «gesunden Knies». In Zermatt hiess es dann auch kontrolliert zu laufen und die Risiken vorallem im geliebten Downhill zu reduzieren. Glücklich und ohne Zwischenfälle konnte ich den Ultraks K46 in Zermatt finishen und blickte somit voller Zufriedenheit nach Chamonix. Am darauf folgenden Freitag um 18 Uhr sollte es endlich soweit sein und in den Tagen vor dem Wettkampf in Chamonix wurde vom Veranstalter die Vorfreude auf den «Traillauf der Trailäufe» so richitg gesteigert.




Start ins Abenteuer

Irgendwie hätte ich beim Start misstrauisch werden sollen. Wer schon einmal an einem Trailrunning-Wettkampf teilgenommen hat, kennt den Unterschied zu einem Volkslauf. Die Atmosphäre ist komplett unterschiedlich. Also stand ich irgendwo am Rand zu den vielen Läuferinnen und Läufern dazu und wartete bis der Startschuss fiel. Der Regen welcher angesagt war, liess zum Glück noch etwas auf sich warten. Als es endlich soweit war, dauerte es einige Minuten bis sich der Läufertross in Bewegung setzte und man von etwas Ähnlichem wie Laufen sprechen konnte. Das der Anfang des Laufs durch Chamonix auf der Strasse verläuft, ist nicht schön, jedoch lässt sich das bei dieser Menge an Läuferinnen und Läufern vermutlich nicht ändern. Als es endlich nach etwa 3 Kilometern von der Strasse ab auf einen nicht asphaltierten Weg ging, befand ich mich zwar immer noch in einer grossen Anzahl Läuferinnen und Läufer konnte diese aber teilweise gut überholen. Nach einigen Metern auf dem nicht asphaltierten Weg – nennen wir ihn Forststrasse – kamen einige Läuferinnen und Läufer vor mir zum Schluss, dass der Anstieg von etwa 3 Höhenmetern nicht laufend zu bewältigen ist. Es klappten die ersten Stöcke aus und es wurde der Wandermodus gestartet. Wiederum fühlte ich mich persönlich bestätigt, dass das Qualifikationsverfahren ein Witz sein muss und ich irgendwie im falschen Film gefangen bin. So ging es leider immer weiter bis endlich ein richtiger Anstieg nach «Le Délevret» kam. Im Vorfeld zähle ich immer die Anstiege und so war es nach meiner Rechnung der 1. Anstieg von 11. Im Abstieg nach «Saint-Gervais» welcher bei Kilometer 21 lag, kam meine Lupine zum ersten Einsatz und machte die Nacht für mich zum Tag. Vor lauter Freude lief ich nach dem Anziehen der Stirnlampe los und vergass dabei meine Sonnenbrille, welche ich zum Wechsel auf eine Bank gelegt hatte. Als ich den Fehler nach einigen Metern bemerkte, musste ich umdrehen und an Marco am MdS denken, welcher in einer Top-Position den selben Fehler machte. In Saint-Gervais angekommen wurden wir von vielen beigeisterten Zuschauern empfangen, welche uns einen tollen Empfgang boten. An jedem weiteren grösseren Verpflegungsposten wurden wir genauso empfangen. Da es bis zu diesem Zeitpunkt noch sehr wenig Trailcharakter hatte, was mich zwar störte, sagte ich mir jedoch wir haben ja noch mehr als 140 Kilometer und es kann nur besser werden. Bei der Startnummernausgabe wurden wir über viele Regeln informiert und es wurden auch Shitbags abgegeben. Diese Shitbags fand ich, zum Glück ungebraucht, im Laufe des Rennens immer wieder auf der Strecke, da diese anscheindend nicht ausreichend sorgfältig im Rucksack verstaut wurden. Ausser am Swiss Alpine Marathon habe ich unterwegs auf den Trails noch nie so viel Abfall gesehen wie am UTMB. Leere Gels, Medikamente und allerlei sonstiger Abfall sind mir Kilometer für Kilometer auf den Forststrassen und den wenigen Trails begegnet. Ich finde es einfach nur beschämend und ein/e echte/r Trailrunner/-in respektiert die Natur und versucht den Schaden in Grenzen zu halten. Das mit den Trails sollte noch auf sich warten lassen und erst etwa ab Kilometer 65 im Gebiet von «Arête du Mont Favre» wurde es zu einem Trailrunning-Lauf.

Klar hatte es zuvor auch einige Trailpassagen, diese dienten aber mehr dazu die Forststrassen und Strassen zu verbinden. In der Zwischenzeit wurde es wieder Tag und nach den Schneefällen und dem Regen in der Nacht, freute ich mich über das schöne Wetter in dieser Gegend (Italien). Also genoss ich die Kilometer bis nach Courmayeur (80 km) und freute mich auf den grossen Zwischenhalt nach etwa 14 Stunden. Nach einer einstündigen Pause in Courmayeur (Verpflegung, Kleiderwechsel usw.) machte ich mich auf den 2. Abschnitt und es waren noch 6 Aufstiege vor mir. Da es mit Trailrunning endete, hoffte ich, dass die zweite Hälfte des UTMB endlich zum Traillauf der Trailäufe wird. Die erste Enttäuschung folgte sogleich als wir Kilometer für Kilometer auf der Strasse bis zum eigentlichen Aufstieg liefen. Ok, sagte ich mir, alles wird gut und die Trails kommen. Für mich sind Forststrassen keine Trails und so war ich froh, das der Anteil dieser Trails langsam zu nahm. Bis auf «La Fouly» (111 km) gefiel es mir trotz heftigem Schneetreiben und rutschigen Trails recht gut, da dies Elemente des Trailrunnings für mich sind.

 

Das Elend nimmt Formen an

In «La Fouly» angekommen, kam ich meinem ersten mentalen Ziel in «Champex-Lac» immer näher. Nach einer kurzen Verpflegung in «La Fouly» machte ich mich auf nach «Champex-Lac». Was nun folgte hatte mit Trailrunning nichts mehr zu tun. 7,5 Kilometer praktisch nur auf der asphaltierten Strasse und zur Krönung noch durch einen Tunnel. Hätte ich nicht ein Motivations-SMS von Kati bekommen, wäre ich wahrscheinlich immer noch unterwegs. Erst im Aufstieg auf «Champex-Lac» verläuft die Strecke wieder auf etwas wie Naturwegen. Genervt über die Streckenführung und enttäuscht über den Verlauf der gesamten bis jetzt bewältgten Strecke, erreichte ich «Champex-Lac». Der Aufstieg nach «La Giète» und der darauffolgende Abstieg nach Trient war aufgrund des Regens und der vielen Läufer/-innen zu einer wahren Schlammparade geworden. Ziel war es nun nicht mehr zu Laufen sondern nicht auszurutschen und zu stürzen. In Trient bei Kilometer 140 angekommen, stellte ich mir eine Frage, welche ich mir noch nie in einem Rennen stellen musste. Wäre ich bei einem Finish stolz auf meine Leistung? Lohnt sich der Aufwand und das Risiko mich auf den letzten 25 Kilometern zu verletzten? Nicht weil die Strecke zu technisch wäre, nein sondern weil die Bedingungen den Laufevent in einen Wander(rutsch)event verwandelten. Ich liess mir die zurückgelegte Strecke nochmals durch den Kopf gehen und musste feststellen, dass es bis auf den Abschnitt um «Arête du Mont Favre» für mich keine lohnenswerten Trailspassagen mehr gab. Der so vielgelobte Trailevent stellte sich für mich persönlich als grosse Mogelpackung heraus. Klar hat es einige Höhenmeter welche zu bewältigen sind, die Streckenführung ist aber – wahrscheinlich der hohen Teilnehmerzahl geschuldet – mehrheitlich auf breiten Forstwegen oder Strassen. Ich liebe Trailrunning und bin deshalb auch lieber an einem solchen Event, als an einem Volkslauf auf der Strasse. Doch leider musste ich feststellen, dass für mich persönlich eher letzteres auf den UTMB zutrifft. Da die Sicherheit und Gesundheit für mich und Marmota Trailunning immer Vorgang hat, musste ich mich in Trient 25 Kilometer für dem Ziel für eine Aufgabe und somit ein DNF entscheiden.

 

Persönliches Fazit:
Der UTMB ist ein Strassenlauf+ welchen man am Besten mit starkgedämpften Schuhen (Hoka) laufen sollte. Für diesen Lauf Qualifikationspunkte zu verlangen und somit ECHTE ULTRA TRAILRUNNING abzuwerten finde ich persönlich mehr als fragwürdig. Der Pitz Alpine Glacier Trail, Matterhorn Ultraks, Trail des Roches, Trail Verbier St. Bernard X-Alpine haben für mich eindeutig mehr mit Trailrunning zu tun als der UTMB. Den Schritt welchen einige Veranstalter unternommen haben und sich weigerten die Lizenz für den UTMB zu bezahlen, kann ich nur begrüssen und diese Läufe sollten wir unterstützen. Natürlich bin ich Columbia dankbar, dass ich an diesem Lauf teilnehmen durfte und mir mein eigenes Bild machen konnte. Da ich von der TDS-Distanz, welche als der «Wild one» bezeichnet wurde, dasselbe gehört habe, ist für mich das Kapitel UTMB geschlossen.