von Manishe Sina

Einen Marathon in unter 3 Stunden laufe: Ich hatte schon länger mit dem Gedanken gespielt es zu versuchen, jetzt sollte es soweit sein. Und ich wollte dieses Ziel strukturiert mit einem Trainingsplan und mit meiner Lauffreundin Lisa Mehl angehen. Lisa hatte schon in der Vergangenheit erfolgreich mit Timon zusammengearbeitet und so hatten wir ein paar Emails später unseren Trainingsplan von ihm zusammengestellt. Das Ziel: Kandel Marathon, 13. März 2016, in unter 3 Stunden.

Für mich war es zunächst ungewohnt nach Plan, mit Pulsgurt und Tempovorgaben zu trainieren. Aber ich freute mich darauf und war gespannt wie es mir damit ergehen würde. Ich überflog den kompletten Plan zu Beginn kurz und beschloss dann, mich immer nur auf die kommende Woche zu konzentrieren. So behielt ich es auch bei. Wenn ein Lauf terminlich gar nicht passte legte Timon diesen einfach um. So war das gesamte Training sehr unkompliziert und flexibel.

Neben den bekannten Einheiten wie Dauerläufe und Intervalle standen zwei 10km und ein Halbmarathonwettkampf an. Außerdem beinhaltete der Plan Radeinheiten, Dehnen und Athletiktraining. Eines gleich vorweg: ich bin jemand der, wenn er einen Plan und Vorgaben hat, versucht diese so genau wie möglich einzuhalten. Ich habe mich immer an Tempo/Puls- und km Vorgaben gehalten. Da ich selbst wenig Erfahrung mit strukturiertem Training habe, beschloss ich Timon da voll zu vertrauen. Zu Beginn machten mir die vielen und teilweise sehr langen Laufeinheiten etwas zu schaffen aber ich gewöhnte mich daran und es machte richtig Spaß. Das Training war abwechslungsreich und fordernd. Aber überfordert fühlte ich mich dennoch nicht. Die langen Läufe habe ich teilweise alleine, teilweise zusammen mit Lisa absolviert. Letzteres war sehr viel kurzweiliger. Auch die Wettkämpfe haben wir alle gemeinsam und immer mit viel Wind und Wetter absolviert. Und vor allem mit viel Spaß.
Natürlich kam ab und zu der Wunsch hoch, doch mal wieder etwas anderes als die ewig flachen Asphaltstraßen abzulaufen, aber immer mit Blick auf das Ziel wiederstanden wir (bis auf ganz wenigen Ausnahmen) auch diesem Drang. Tempo und Puls lassen sich auf ebenen Wegen einfach besser kontrollieren. Die Intervalleinheiten habe ich alle auf dem Laufband absolviert, da ich im Winter keine Bahn zur Verfügung hatte. Für mich funktionierte das aber sehr gut. So muss man das Tempo nur annehmen und kann sich ganz auf das Laufen und die Atmung konzentrieren.

Meine absolvierten Einheiten lud ich auf das Online Portal „Training Peaks“ hoch. Fragen habe ich dort ebenfalls immer mit reingestellt und diese wurden schnell und ausführlich beantwortet. Überhaupt funktionierte die Zusammenarbeit mit Timon wirklich gut. Er war nicht nur flexibel was Planänderungen anging, er motivierte und unterstütze mich auch oft mit positiven Kommentaren zu den absolvierten Einheiten, die mir zeigten, dass ich auf dem richtigen Weg war und das Training wirklich gut lief. Mir half das immer sehr. Ich hatte das Glück gesund und unverletzt durch das Training zu kommen, so dass ich am Ende keine Einheit habe ausfallen lassen müssen. Auch die Wettkämpfe lief ich nach Vorgabe. All das gab mir Selbstvertrauen die angestrebte Zielzeit zu erreichen.

Und so kam Tag X immer näher. Die Nervosität stieg, die Vorfreude aber auch. Ich schaute mir am Tag vorher noch einmal das gesamte absolvierte Training an: alles war nach Plan gelaufen und ich spürte, dass ich es schaffen kann. Timon und auch mein Umfeld bestätigten mir das immer wieder und so stand ich zuversichtlich an der Startlinie. Moritz auf der Heide war der offizielle 3 Stunden Zugläufer und so hefteten Lisa und ich mich an seine Fersen. Ich kam gut in das Rennen und fühlte mich direkt wohl in der Gruppe um Moritz. Er bremste mich immer wieder wenn ich etwas schneller lief, dafür war ich ihm später sehr dankbar. Es war windig aber wir waren relativ viele, so konnte man gut Schutz finden. Bis km 37 lief ich als eine von zwei Frauen in der Gruppe mit. Die ersten zwei Plätze würden wir unter uns ausmachen. Ursprünglich war der Sieg nicht mein Ziel, aber jetzt wo er zum Greifen nahe war wollte ich doch alles versuchen nicht nur die 3 Stunden Marke zu unterbieten sondern auch als erste Frau ins Ziel zu laufen. Als dann ein Läufer aus der Gruppe ausbrach um schneller zu laufen, ging ich hinterher. Alleine hätte ich es schon wegen des Windes nicht geschafft. So versuchte ich einfach irgendwie an ihm dran zu bleiben und er unterstütze mich dann sogar auf den letzten Kilometern. Diese waren zwar hart, aber mit dem Bild im Kopf, dass ich mein Ziel von unter 3 Stunden und als erste Frau ins Ziel kommen würde konnte ich mich motivieren und lief überglücklich nach 2:58:53 ein.

(Bild Copyright by Jörg Stutzke DUV)

Das Gefühl nach einem so langen und aufwendigem Training das Ziel so gut erreicht zu haben war großartig. Ich war zwar total fertig aber überglücklich und stolz.
Jetzt hieß es erstmal das erreichte Ziel zu genießen und zu regenerieren.

Allerdings hatte ich schon meine nächsten Ziele im Kopf: die Deutsche Meisterschaft im Ultratrail Mitte April. Das heißt, nur fünf Wochen nach dem Marathon. Ich habe Timon diesen Plan erst nach dem Marathon gebeichtet und er reagierte zunächst verhalten und riet mir zu schauen wie es mir die nächsten 2 Wochen ergehen würde. Eine Überbelastung ist bei zwei so kurz aufeinander folgenden langen und fordernden Wettkämpfen natürlich immer schnell erreicht. Außerdem steigt auch die Verletzungsgefahr. Für mich stand fest: wenn ich in Bilstein mitlaufen würde dann richtig und nicht mit angezogener Handbremse.

Die Erholung lief aber gut, und ich absolvierte einen 10km Lauf 2 Wochen nach dem Marathon in 38:20. Meine Pulswerte waren wieder im normalen Bereich und ich fühlte mich fit. Also verlängerte Timon mir meinen Trainingsplan bis zu der DM in Bilstein. Eine spezifische Vorbereitung war natürlich nicht möglich, aber wir versuchten den Schwung und den Trainingsstand aus dem Marathonvorbereitung mitzunehmen. Aus den Intervallen wurden Bergintervalle, meine Dauerläufe versuchte mit möglichst vielen Höhenmetern zu absolvieren.

 (Bild Copyright by Manishe Sina, privat)

Aber natürlich war die Vorbereitungszeit sehr kurz und knackig, so dass ich bei weitem nicht mit einem so guten und sicheren Gefühl in den Wettkampf startete. Auch wenn Timon mir am Vortag noch einmal richtig Mut zusprach und mich motovierte: mir fehlte auf einer solchen langen und hügeligen, komplett laufbaren Strecke auch einfach die Erfahrung. So lief ich planlos. Ich lag nach circa 10km an zweiter Stelle und fragte mich natürlich, ob ich es zu schnell angegangen bin. Aber ich fühlte mich gut und nach weiteren 10km sah ich die erste Frau vor mir. Ich lief eine Weile mit Abstand hinter der ersten Frau um mich etwas zu erholen und überholte sie schließlich. Ab der Marathonmarke wurde es dann aber merklich schwerer und ich musste richtig kämpfen. Mit meinen Beinen und mit meinem Kopf. Ein Sturz bei km 44 machte es nicht besser und ich überlegte kurz einfach liegen zu bleiben. Aber ich sagte mir auch: du liegst an erster Stelle und könntest deutsche Meisterin werden, also steh auf und gib Gas. Aufgestanden bin ich, Gas gegeben habe ich so gut ich konnte. Ich habe selten ein Ziel so herbei gesehnt wie hier, mir fielen die letzten km richtig schwer.

Nach 5:36 lief ich schließlich als erste Frau ins Ziel: deutscher Meisterin im Ultratraill. Das hatte ich mir nicht erträumt. Selbst auf den letzten Kilometern zweifelte ich, ob ich das Ziel erreichen könne. Pamela lief dann schließlich auch nur 90 Sekunden hinter mir ins Ziel.
Die Freude über diesen Sieg setzte erst etwas später, nach duschen und essen ein. Ich war einfach total fertig und erleichtert das Ziel erreicht zu haben.

(Bild Copyright by Manishe Sina, privat)

Jetzt mit etwas Abstand und kann es noch immer nicht ganz glauben, dass ich zwei so tolle Läufe kurz hintereinander absolviert habe. Ich freue mich noch immer total über das Erreichte und bekomme von meinem Umfeld sowie auch von total fremden Leuten sehr viel positives Feedback. Ich möchte auch Timon noch einmal ganz herzlich danken. Für die Pläne, die mir ein so tolles Training ermöglichten und auch für die ständige Motivation und den Zuspruch. ich fühlte mich einfach gut aufgehoben und das gab mir Selbstvertrauen.

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